Business-Kleider machen Leute

Business-Kleider machen Leute

Eine Fahrt in der Hamburger S-Bahn ist eine modische Apokalypse. Gefühl für Stil, Geschmack und Witz ist absolute Ausnahme. Ist ja auch nicht einfach und vielerorts nicht gerade billig: Die gute Figur im Businesszwirn, der Stylogeil im Alltag, der Businesspunk im charmanten Erfolgsoutfit. Wie geht das eigentlich

No go: Wetterjacke zum Einreiher

Vor allem Männern scheint die Auswahl zwangloser Businessgarderobe ein Dorn im Auge. Wie könnte man sonst erklären, dass so viele von ihnen schlecht sitzende Anzüge und geschmacklose Krawatten aus der Klamottenkiste von Opa tragen, wenn sie sich überhaupt den – in vielen Bereichen überholten – Businessdresscode unterwerfen wollen? Endgültig hört der gute Geschmack auf, wenn der schnieke Bürohengst über dem Anzug einen schreienden Ostfriesennerz der Billigklasse trägt.

Gewiss muss man beim Hamburger Schmuddelwedder immer mit einem tüchtigen Guss rechnen. Das ist aber noch lange kein Grund dafür, den guten Geschmack in die Gulli zu schütten! Stil beweist man, wenn man stattdessen mit einem durchsichtigen Einmalumwurf. Einem originell bemalten Regenschirm oder dem Mut zur Brause, schießlich ist man ja nicht aus Zucker. Die brüchigen 5-Euro-Knirpse aus der Drogerie und Kaffeeladen, die sich bei der ersten Windböe zerlegt und die man gerne im Bus vergisst, tun es nun wirklich nicht. Qualität hat natürlich ihren Preis und Origninalität lässt sich manchmal sogar kaufen. Braucht ja keiner merken, dass sie sich nicht auskennen und ein Langweiler sind. Übrigens: Wenn sich der Hamburger Himmel wieder einmal entscheidet, seinen kompletten Inhalt über der Stadt auszuschütten, dann hilft auf Dauer nur die Krankschreibung.

Frauen fashionmäßig weiter borne

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass auch die Hamburger Damenwelt durchaus noch Nachholbedarf hat. Das liegt aber eher an der deutschen Traditon, nur nich zu aufzufallen, wenn man im Business und im richtigen Leben Erfolg haben möchte. Im Gegensatz zum Kollegen, darf hier die überstünde Businessfrau jeden Tag ein anderen Ensemble zur Schau tragen und selbst bei billigstem Lohn hervor zaubern. Bei Männer ist das egal, schaut ja eh keiner hin. Aber muss es immer klassisch sein, liebe Damenwelt, muss es immer derselbe Dresscode sein, den insgeheim die Männer vorschreiben? Nein.

Tragen Sie ruhig mal im Sommer zur schlapperigen Stoffhose eine Tunika (gibts zum Beispiel bei bonprix) oder tauschen Sie den Bleistiftrock gegen eine gut sitzende dunkle Röhrenjeans. Aber billig, sie zerreißt eh nach 10 Monaten. Zeigen Sie sich vor allem im Agenturgeschäft nicht als graue Maus. Erwägen sie Kokain und kaufen Sie Kleidung auf Kredit. Hauptsache, sie sind fein raus. Kleider machen Leute – gerade im traditionellen Handelskontor Hamburg. Selbst im Agenturgeschäft geht es einfach und allein mehr um den schönen Schein – im doppelten Sinne – als im Sein.

Sind Sie hier modisch nicht ganz weit vorn dabei, dann geraten Sie leider schnell aufs Abstellgleis. Nur nicht vor den Zug werfen, das lohnt sich nicht. Vielleicht ist dieses armselige Businessmodeleben gar nicht wert und sie wollen ganz ewas anderes machen und nicht ständig nach der Pfeiffe der anderen tanzen. Wenn sie jedoch in diesem K(r)ampf bestehen beleiben wollen, dann bleiben sie gefälligt jung und kleiden sich auch so. Es schadet ja nicht, wenn Sie so aussehen.

Glänzende Strumpfhosen

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Ein gelungenes Outfit zeichnet sich dadurch aus, dass es dem Anlass angemessen ist, perfekt (zu ihnen) passt und dabei mit Gesamtbild harmonisiert. Ist das wirklich so schwierig? Lernen Sie sich endlich kennen. Und machen Sie sich um Himmelswillen nicht so abhängig von der Bewertung durch andere. Tragen Sie deshalb ruhig mal zum Trotz glänzenden Nylonstrumpfhosen. Vielleicht Donnerstags. Sie wirken altbacken und lenken den Blick zwangsläufig auf die Beine. Das könnten sie ausnutzen, wenn sie geschickt sind. Etwa in Gehaltsverhandlungen. Entweder durch Mitleid und durch den Nylon-Fetisch ihres Vorgesetzen. Versuch macht kluch.

Bild: © Creatas Images/Thinkstock

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