Kollektion Frappant – Modeshow im Hausgewand

“Kollektion Frappant” von Cläre Caspar. Was für ein Künstlername! Das wäre so, als würde ich mich Mike Juxvogel nennen. Schräch auch ihre Modeschau mit den “architektonischen Grundrissen des Frappant-Gebäudes als Schnittgrundlagen” der dargebotenen Klamotten.

Das Frappant in Altona mit seinen Künstlern ist aktuell wie das Gängeviertel in der Hamburger Innenstadt von der Macht des Geldes, die normalweise keine Verwandten kennt, akut bedroht. Hier von Ikea mit einem blau-gelben Riesenklops in einem sensiblen Traditions-Stadtteil und dort von einfallsloser Büroarchitektur, wie sie bösartige – denn was ziehen sie für einen glastrunkenen Mist überall hoch und verschandeln damit quasi jede verflixte Stadt auf ihrem Fresswegen! – “Invesmentsfonds so lieben” (Karl Günther Barth).

Es ist einfach wundervoll, diese sehr unterschiedlichen Künstler und Künstlerinnen, Charaktere und Freischaffenden in diesen abgewrackten Ortschaften zu erleben. Das Frappant, dieses alte Karstadt- und Büro-Gebäude in der Altonaer Altstadt ist ja geradezu geschaffen für Kunst und genau DIESE Künstler! (Auch der bekannte Club Hafenklang vom Fischmarkt war hier im Exil sehr gut aufgehoben.)

Der abgekalkte Charme eines ehemaligen Tempels des Konsums liefert ganz offensichtlich frische Impulse für kreative Herzen. Die Mieten sind billig, erschwinglich für Künstler, die nun einmal viel Platz brauchen. Die Fahrstühle sind natürlich abgestellt und eine Heizung nachgerade deplatziert.


Man konnte sich die Figuren der Frappant-Künstler per Siebdruck auf eine Tasche basteln (lassen). Gegen eine freiwillige Spende. Klasse Sache das!

Schon von außen macht Frappant Lust hereinzuspazieren und mal zu luschern, was die durchgeknallten Leutchen da so zustande bringen. Man betritt das verschrammte Linoleum, es duftet nach sauberem Gras und in der Mitte der Party-Hölle wuchert ein Klimagrill, ein Heizpilz, der anderenorts selbst im Freien verboten ist. Köstlich.

Das ganze Projekt ist keinesfalls frei von Humor. Und genau das – Kunst, die erschüttert, bewegt und beseelt, in Frage stellt und mit viel Spaß den Laden aufmischt – brauchen diese Zeiten, brauchen wir alle DRINGEND.

Die sehr attraktive Cläre Caspar hat mit ihrer Kollektion Frappant, einer hinreißenden Modeshow – nicht: Modeschau! – einen klasse Beitrag in diesem Sinne geleistet.

Die Künstler im Frappant – wie auch im Gängeviertel – müssen bleiben (dürfen). Dafür, für diese Leute, lohnt es sich zu kämpfen und viele Hamburger haben sie schon auf ihrer Seite. Im Frappant in der Großen Bergstraße werden die Mietverträge – so sickerte gerade durch – im November weiter verlängert. Immer so zwei Monate oder so.

[nggallery id=27]

Hinterlasse eine Antwort

*